Die Ärztin: Fünf Fragen, die Frauen ihrem Fruchtbarkeitsarzt oft stellen

Vielleicht haben auch Sie schon viele Märchen und Lügengeschichten darüber gehört, wie der Lebensstil die Fruchtbarkeit beeinflusst. Unser Lebensstil muss sich doch auf die Fruchtbarkeit auswirken ... oder?

Skrevet af:

Anna Grynnerup

17. februar - 2022


Die Ärztin Anna Grynnerup, die zu Læger Formidler gehört, arbeitet seit langem in der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe in Hvidovre und im Rigshospitalet, wo sie über AMH-Messungen zur Messung der Eizellreserve bei Frauen geforscht hat.

Vielleicht haben auch Sie schon die Sätze gehört? "Iss dich schwanger!" und "Du musst dich nur entspannen!" und "Vorsicht mit der Antibabypille, du kannst unfruchtbar werden!" Ja, der Lebensstil kann das Hormonsystem und unsere Fruchtbarkeit beeinflussen. Aber vielleicht in geringerem Maße, als die meisten denken. Es gibt so viele Mythen und Missverständnisse, wenn es um den Lebensstil und die Fruchtbarkeit geht, und genau bei diesen möchte ich für Aufklärung sorgen.

Wussten Sie?

Die Pille kann kurz nach dem
Absetzen den Menstruationszyklus
beeinflussen. Nach 3-6 Monaten sollte
sich alles normalisiert haben.

1. Ich mache ziemlich viel Sport, wie wirkt sich das auf meine Schwangerschaftschancen aus?

Längere Perioden mit ausbleibender Menstruation (und damit fehlendem Eisprung) können darauf zurückzuführen sein, dass der Körper großen körperlichen Belastungen wie Anorexie, Extremsport oder starkem Gewichtsverlust ausgesetzt ist. Es kann auch an großer psychischer Belastung liegen. Da es letztendlich das Gehirn ist, das unseren Menstruationszyklus steuert, kann das Gehirn Signale senden, dass es kein guter Zeitpunkt ist, schwanger zu werden. Es handelt sich dabei um einen Überlebensmechanismus aus prähistorischen Zeiten, der sicherstellen soll, dass Frauen im Falle extremen Hungers nicht schwanger werden. Der Körper stellt immer sein eigenes Überleben in den Vordergrund. Es ist sehr unterschiedlich, wie viel es braucht, bis die Menstruation ausbleibt. Manche Menschen haben das Gefühl, dass ihr Training oder ihre Ernährung nicht extrem sind, und haben möglicherweise Schwierigkeiten, ihren Lebensstil zu ändern. Daher kann es eine gute Idee sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und mit einem Arzt darüber zu sprechen. Die gute Nachricht ist, dass der Eisprung und die Menstruation zurückkehren, sobald der Körper genügend Ruhe und Nahrung hat. Auch wenn man nicht schwanger werden will, sollte man sich um das Problem kümmern, denn der Hormonmangel kann auf lange Sicht andere Auswirkungen auf den Körper haben.

2. Kann mich die Antibabypille unfruchtbar machen?

Wenn man die Pille absetzt, kann es sein, dass die Menstruation für kurze Zeit (bis zu drei oder sechs Monate) ausbleibt oder unregelmäßig ist und kein Eisprung erfolgt - das ist nicht ungewöhnlich. Dies liegt daran, dass die eigene Hormonproduktion niedrig war und wieder anlaufen muss. Ich möchte jedoch betonen, dass das Hormonsystem durch die Einnahme der Antibabypille nicht dauerhaft geschädigt wird – auch nicht über viele Jahre. Wenn aber sechs Monate nach dem Absetzen der Pille immer noch keine regelmäßige Regelblutung eintritt, kann es sein, dass eine andere Grunderkrankung vorliegt, die in den Jahren der Pilleneinnahme verborgen geblieben ist. Es ist daher ratsam, mit einem Arzt zu sprechen, wenn sechs Monate nach dem Absetzen der Pille immer noch keine Regelblutung eingesetzt hat.

Über den Autor

Anna ist Ärztin und gehört zu
Læger Formidler. Sie hat lange in der
Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe
sowohl in Hvidovre als auch am Rigshospitalet
gearbeitet, wo sie unter anderem über
AMH-Messungen geforscht hat, um die
Eizellreserve bei Frauen zu messen.

3. Ich habe nie meine Menstruation - was bedeutet das?

Ausbleibende oder seltene Regelblutungen (mehr als 35 Tage zwischen dem ersten Tag der Blutung und dem nächsten ersten Tag der Blutung) können Anzeichen eines polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS) sein. Es handelt sich zwar um eine Krankheit, aber sie hat auch etwas mit der Lebensweise zu tun, denn die Behandlung besteht in einer Änderung der Lebensweise. Bei PCOS gibt es viele Follikel in den Eierstöcken und Störungen der Sexualhormone. Oft hat man zu viele männliche Sexualhormone. Die Symptome, die neben ausbleibenden oder seltenen Perioden auftreten können, können vermehrte Körper- oder Gesichtsbehaarung, Akne und ungewollte Unfruchtbarkeit sein. Allerdings kann man die Krankheit auch haben, ohne alle Symptome zu zeigen.

Aber warum bekommt man PCOS? Darauf gibt es keine Pauschalantwort, aber viele Hinweise darauf, dass die Erkrankung teilweise erblich bedingt ist und mit Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht wird. Es ist also etwas, das angeboren ist. Der Lebensstil kann jedoch dazu beitragen, wie und ob sich die Krankheit entwickelt. Gesunde Ernährung und Bewegung sind der richtige Weg. Und mit gesunder Ernährung meine ich die aktuellen Richtlinien der staatlichen Gesundheitsbehörde, die besagen, dass man sich grün, roh und abwechslungsreich ernähren soll. Alles deutet darauf hin, dass eine Gewichtsabnahme auf die gleiche Weise erzielt wird, unabhängig davon, ob man an PCOS leidet oder nicht. Viele glauben auch, dass Frauen mit PCOS im Vergleich zu anderen Frauen, die mit Fettleibigkeit zu kämpfen haben, besonders schwer abnehmen können - weil ihr Stoffwechsel anders funktioniert.

Es gibt keine Untersuchungen, die dies bestätigen. Das bedeutet jedoch nicht, dass es nicht unglaublich schwierig ist, Gewicht zu verlieren. Hier kann professionelle Hilfe (z. B. Ernährungsberater und/oder Personal Trainer) Abhilfe schaffen, denn dauerhaftes Abnehmen ist ein schwieriges Unterfangen. Aber gerade bei der Kinderwunschbehandlung kann schon eine geringe Gewichtsabnahme eine Schwangerschaft ohne Fruchtbarkeitsbehandlung ermöglichen. Sie müssen also nicht komplett bis auf „Normal-“ Gewicht abnehmen. Aber ein Gewichtsverlust ist ein wirklich wichtiger Teil der Behandlung. Dazu muss gesagt werden, dass auch schlanke Frauen mit PCOS von gesunder Ernährung und Bewegung in Bezug auf die Erkrankung profitieren.

Wer sich Sorgen macht, dass er PCOS haben könnte, kann sich von seinem Arzt untersuchen lassen. Wenn Diät und Bewegung nicht helfen, ist auch eine medizinische Behandlung möglich.

Fakten

Etwa 65 % der Frauen mit PCOS
sind übergewichtig. Es ist jedoch
ein weit verbreiteter Mythos, dass
PCOS mit einer speziellen Diät oder
einem Gewichtsreduktionsprogramm
behandelt werden muss.

4. Ich bin jung und lebe ein ganz normales Leben mit Kaffee, Rauchen auf Partys und ein bisschen Alkohol hier und da. Sollte ich damit ganz aufhören?

Nun… Rauchen, Alkohol und Koffein. Es versteht sich von selbst, dass eine große Aufnahme dieser Stoffe nicht gut für die Fruchtbarkeit ist. Wir wissen, dass Rauchen die Fruchtbarkeit verringert und das Risiko einer Fehlgeburt erhöht. Ob Kaffee schädlich ist, ist umstritten. Jüngste Studien zeigen, dass der Kaffeekonsum die Zeit bis zum Eintritt einer Schwangerschaft nicht verlängert, aber das Risiko einer Fehlgeburt beeinflussen kann. Aus diesem Grund empfiehlt die dänische Gesundheitsbehörde während der Schwangerschaft maximal drei Tassen Kaffee pro Tag.

5. Ich bin stark übergewichtig, kann ich trotzdem schwanger werden?

Sehr starke Fettleibigkeit beeinträchtigt die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, erhöht das Risiko einer Fehlgeburt und von Komplikationen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt. Daher kann man in Dänemark im öffentlichen Sektor keine Fruchtbarkeitsbehandlung erhalten, wenn man einen BMI über 35 hat. Abnehmen ist leider sehr schwierig, auch wenn der Wunsch groß ist, und es ist daher ratsam, sich professionelle Hilfe zu holen, anstatt sich Vorwürfe zu machen, dass es nicht klappt.

Fazit

Nach all dem, was oben gesagt und geschrieben wurde, ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass man sich nicht "schwanger essen" kann. Es gibt kein „Wundermittel“ oder Nahrungsergänzungsmittel, das die Fruchtbarkeit steigern kann. Und nein, Zucker schadet der Fruchtbarkeit nicht. Bei regelmäßiger Menstruation (zwischen 21 und 35 Tagen zwischen den Perioden) und Normalgewicht gibt es keine Hinweise darauf, dass man seine Fruchtbarkeit "steigern" kann.

Der gesunde Menschenverstand und kritisches Denken sind gefragt, wenn man von speziellen Diäten oder anderen Lebensstiländerungen hört, die die Fruchtbarkeit fördern sollen. Es kann zu unnötigen Selbstvorwürfen führen, wenn man glaubt, dass der Lebensstil an der Unfruchtbarkeit schuld ist.

Læger Formidler garantieren nur für die Richtigkeit, Beweiskraft und fachliche Fundierung von Artikeln, die sie selbst verfasst haben. Weitere Informationen finden Sie hier.